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Über allen Wipfeln ist Ruh'

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Immer mehr Menschen suchen nach alternativen Bestattungsmethoden. Zum Beispiel draußen im Wald, zwischen hohen Bäumen. Was versprechen sich die Angehörigen davon und was ist anders als auf herkömmlichen Friedhöfen?

Ein Spaziergang durch den Pappenheimer Friedwald.







Ein multimediales Webspecial von Bastian Mühling, Sandra Lohse und Thomas Balbierer.
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Über allen Gipfeln
Ist Ruh',
In allen Wipfeln
Spürest Du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur! Balde
Ruhest du auch.


Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
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Was aussieht wie ein normaler Wald, ist eigentlich ein Friedhof. Hier, im mittelfränkischen Pappenheim, ruhen rund 500 Verstorbene auf vier Hektar.

Weitere 1.500 Menschen haben sich bereits einen Platz reserviert.

Wer im Friedwald begraben wird, hat ein Grab ohne Schmuck und ohne Blumen. Denn die Toten werden am Fuße eines Baumes beerdigt. 
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Die Menschen können sich den Baum aussuchen, an dem sie begraben werden wollen: vom Basisbaum für knapp 500 Euro bis zum Familienbaum für über 6.000 Euro.

Hinter dieser Ruhestätte steckt das Unternehmen "FriedWald". Es betreibt über 60 Baumfriedhöfe in ganz Deutschland.

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Beigesetzt werden die Toten in speziellen Urnen.
Die ökologisch abbaubaren Behälter liegen dann 80 Zentimeter unter der Erdoberfläche begraben. 
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Drei Förster betreuen den Pappenheimer Friedwald.

Einer von ihnen ist Eckhard Freist. Er und sein Team kontrollieren die Bäume auf Krankheiten, heben die Urnengräber aus und organisieren Führungen durch den Friedwald.
Das Interesse daran ist groß.
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Träger des Friedwaldes in Pappenheim ist die evangelische Kirchengemeinde. In Bayern dürfen private Einrichtungen nämlich keine Friedhöfe besitzen.

In Gegensatz zu herkömmlichen Friedhöfen kann hier jeder bestattet werden - unabhängig von der Konfession.
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Förster Eckhard Freist über die Gründe:

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Warum lassen sich Menschen im Friedwald bestatten?

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Gerlinde Feiner (rechts) hat ihren Mann im Pappenheimer Wald beigesetzt (sie will unerkannt bleiben):

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"Wir haben einen Familienbaum mit zehn Plätzen."

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Klaus Unger, Bestatter in Weißenburg, sieht den Wandel der Friedhofskultur kritisch:

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"Keiner möchte mehr ein Grab pflegen."

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Nur noch acht Prozent der Befragten können sich eine Sargbestattung auf einem herkömmlichen Friedhof vorstellen. 

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Auch wenn der Wald für jeden zugänglich bleibt, stellt "FriedWald" klare Regeln auf.

Zum Beispiel ist Grabschmuck verboten. Denn Kerzen, Gestecke oder Grabsteine würden nicht in die natürliche Umgebung des Waldes passen, so Förster Eckhard Freist.
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Förster Eckhard Freist über Grabschmuck:

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Keine kleinen Erinnerungsstücke also. Dennoch müssen Freist und sein Team immer wieder Gestecke, Blumen oder andere Dekorationen entfernen. Nicht alle halten sich an die Regeln.

Die Angehörigen werden per Mail informiert und können ihren Schmuck an einer Sammelstelle abholen.

"Der Gedanke des Friedwaldes ist, aus dem Wald etwas mitzunehmen", sagt Förster Freist.

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Etwas weniger streng sind die Förster beim sogenannten "Sternschnuppenbaum".

An dessen Wurzeln werden Kinder bis zum dritten Lebensjahr beigesetzt.

Der Baum fällt schon von weitem auf: An den Ästen hängen Windspiele, Holzsterne und Herzen. Diesen Schmuck lassen die Förster hängen.
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An die Verstorbenen erinnern allein kleine Metall-Tafeln, die an jedem Baumgrab hängen.

Auf den Schildern müssen nicht einmal die richtigen Namen stehen. So ließ sich in Pappenheim ein Paar sogar als "Waldfee und Waldschrat" bestatten.
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Die Angehörige Gerlinde Feiner über die Vorteile einer Waldbestattung:

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Musik und Lebendigkeit - bei einem klassischen Erdgrab mit Sarg und Grabstein fast undenkbar. Doch das wird in Deutschland immer unbeliebter.

Während 1960 der Anteil an Erdbestattungen noch bei 90 Prozent lag, hat er bis heute rapide abgenommen - auf 36 Prozent im Jahr 2016. Im gleichen Zeitraum hat sich der Anteil der Feuerbestattungen von 10 auf 64 Prozent erhöht.
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Bei einem Erdgrab müssen sich die Angehörigen um das Beet, die Reinigung des Grabsteins und um den passenden Schmuck kümmern - oder einen Friedhofsgärtner bezahlen.

Im Wald übernimmt die Natur die Grabpflege.
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Wenn doch mal ein Baum von Krankheiten befallen ist, müssen die Förster ihn im Notfall fällen. Die Angehörigen haben dann Anspruch auf einen neuen Baum.

Und weil die Nachfrage in Pappenheim so groß ist, erschließt Eckhard Freist gerade ein neues Waldstück.
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Förster Eckhard Freist:

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"Ich habe mir schon einen Baum ausgesucht."

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Dieses multimediale Webspecial ist im Rahmen eines Praxisseminars am Lehrstuhl für Journalistik an der Universität Eichstätt entstanden.

Dozentin/Redaktion:
Sandra Demmelhuber (ARD/BR)

Idee, Konzept und Umsetzung:

Bastian Mühling, Sandra Lohse, Thomas Balbierer

Fotos, Videos und Interviews:
Bastian Mühling, Sandra Lohse, Thomas Balbierer

Musik:
"Feierabendlied" (Interpret: Bastian Mühling)




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