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Los geht's

70 Jahre Israel

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Einleitung

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Ein multimediales Webspecial von Sandra Demmelhuber. 
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Mit den ersten jüdischen Einwanderern nach Palästina beginnt im späten 19. Jahrhundert die Geschichte des Staates Israel. 


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Am 14. Mai 1948 gründen sie "Eretz Israel", das 'Land Israel'.

Drei Jahre nach dem Holocaust sollte es allen jüdischen Menschen auf der Welt Schutz und Sicherheit bieten.

Für ein Volk ohne Land endlich eine Heimat sein. 










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Doch diese karge Wüstenregion - Palästina - war kein Land ohne Volk. 

Die Anfänge des Zionismus markieren gleichzeitig auch den Beginn der bis heute andauernden Auseinandersetzungen mit den arabischen Einwohnern und Nachbarländern.















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Die Geschichte Israels ist auch immer unsere europäische, deutsche Geschichte. 

Auch deshalb gehen vielen von uns die Entwicklungen im Nahen Osten so nahe. 














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Wenn es hierzulande um Israel geht, werden meist nur der Nahost-Konflikt, umstrittene Siedlungsprojekte oder Anschläge thematisiert. 

Doch Israel ist auch - und vor allem - ein in vielerlei Hinsicht besonderes und einzigartiges Land.





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Und: In Israel und in den palästinensischen Gebieten gibt es zwar viele Orte, an denen eine Koexistenz bis heute unmöglich scheint - aber noch weitaus mehr, wo das friedliche Zusammenleben zwischen Juden und Arabern gut funktioniert.




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Geschichte













Bild: Jerusalem, um 1900. 







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Der Wiener Journalist Theodor Herzl hat um 1900 eine Idee: Nur in einem eigenen Staat können die Juden in Sicherheit leben, am besten dort, wo es vor zweitausend Jahren schon einmal einen gegeben hatte: in Palästina. 

1902 verfasst er einen utopischen Roman, in dem er eine jüdische Gesellschaftsordnung in diesem Gebiet entwirft.

Der Titel des Werkes: "Altneuland".  

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Tel Aviv im Jahr 1909 und heute

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Noch im Erscheinungsjahr wird Herzls Roman "Altneuland" ins biblische Hebräisch übersetzt und erhält den poetischen Titel Tel Aviv, der "Frühlingshügel". 

Nach diesem Buchtitel wird die Stadt Tel Aviv benannt.

Auf dem Foto sind die 66 Gründerfamilien abgebildet. Sie versammeln sich im Jahr 1909 ein paar Kilometer nördlich der arabischen Hafenstadt Jaffa - genau da, wo heute prächtige Boulevards und moderne Hochhäuser stehen. 






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Rothschild-Boulevard 1910 und heute

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Den ersten Kiosk von Tel Aviv, aufgestellt 1910, gibt es sogar noch heute. 

Er steht an der Ecke Herzl-Straße/Rothschild-Boulevard und ist nun schon seit 108 Jahren ein beliebter Treffpunkt. 


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1920 erhält Großbritannien von der Konferenz der Siegermächte des Ersten Weltkriegs das Mandat über Palästina. 

Die Briten sagten den in Europa verrfolgten Juden zu, die "Schaffung einer nationalen Heimat für das jüdische Volk in Palästina" zu unterstützen. 









Bild: Mitglieder eines Segelclubes am Strand, Haifa 1930.




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Überall entstehen Städte, Straßen und Häuser nach europäischem Standard.

Wie hier: die Dizengoff-Straße in Tel Aviv in den 1930er-Jahren. 

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Tel Aviv wird wegen der weltgrößten Ansammlung von Bauhaus-Gebäuden auch "Weiße Stadt" genannt. Diese Häuser werden ab Ende der 1920er-Jahre hauptsächlich von jungen jüdischen Architekten aus Deutschland errichtet. 

Innerhalb weniger Jahre verdreifacht sich die Einwohnerzahl Tel Avivs auf 150.000. Für sie muss schnell ein bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden.

Der schnörkellose, funktionale und hochmoderne Bauhaus-Stil ist dafür perfekt geeignet. Abkehr und Neubeginn - auch in der Architektur. 



Bild: Die Nahalat-Binyamin-Straße, 1936. 
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Filmausschnitt: Leben und Arbeiten im Kibbuz Ein Gev.

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Nicht nur in den Städten wird gebaut. Seit 1910 entstehen zahlreiche Kibbuzim, landwirtschaftliche Kollektivsiedlungen, in denen die Mitglieder zusammen arbeiten und wohnen.

Die Einwanderer aus Europa, zumeist Intellektuelle, schaffen damit eine klassenlose Gesellschaft mit der Betonung auf Gleichheit und Gemeinschaft. 

Der junge Staat sollte auf eigenem Boden aufgebaut werden und am einfachsten dort, wo noch nichts ist. Mit Mitteln des Jüdischen Nationalfonds wird dafür arabischen Großgrundbesitzern viel Land abgekauft.  

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"Degania" (hebräisch für 'Kornblume') ist der erste und somit älteste Kibbuz in Israel. 
Er wird im Oktober 1910 von russischen Einwanderern gegründet. 

Heute gibt es in Israel und im Westjordanland noch etwa 260 Kibbuzim, in denen etwa 120.000 Menschen leben und arbeiten.

40 Prozent aller Agrarprodukte kommen in Israel aus einem Kibbuz. 





Bild: Der Kibbuz Degania 1912.

















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Der Kibbuz Degania 1912 und im April 2018.

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Die Idee von einem eigenen Staat nimmt zunehmend Gestalt an. 

Es entstehen nicht nur landwirtschaftliche Siedlungen und moderne Städte.

1925 wird auf dem Skopusberg ein repräsentatives Gebäude eröffnet: die Hebräische Universität von Jerusalem.

Sie hat bis heute acht Nobelpreisträger hervorgebracht. 






Bild: Bibliothek der Hebräischen Universität, um 1925. 








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Ab Mitte der 1930er-Jahre treibt der wachsende Antisemitismus in Europa immer mehr jüdische Menschen nach Palästina. 

Viele von ihnen entkommen nur knapp einer Verfolgung.






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Waren es 1918 noch etwa ein Zehntel der Bevölkerung Palästinas, sind es in den 1940er-Jahren bereits ein Drittel.













Bild: Jüdische Schulklasse in Nesher, 1936. 
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Die Araber schauen dabei natürlich nicht tatenlos zu, sie fühlen sich zunehmend getäuscht, weil die Briten nicht nur den Juden, sondern auch ihnen einen unabhängigen Staat versprochen haben.  

Immer wieder kommt es zu Aufständen und Konflikten zwischen den europäischen Einwanderern und den palästinensischen Einwohnern.








Bild: Palästina, um 1920.

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Staatsgründung

Am 29. November 1947 beschließt die Vollversammlung der Vereinten Nationen die Errichtung von zwei Staaten - einen jüdischen und einen arabischen.

33 Staaten stimmen für die Resolution, darunter die ehemalige Sowjetunion und die USA, 13 Staaten stimmen dagegen, darunter die sechs arabischen Mitgliedsstaaten.





Bild: Tel Aviv am 29. November 1947.


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Originalmitschnitt: David Ben-Gurion verliest die Unabhängigkeitserklärung.

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Am 15. Mai 1948, Punkt Mitternacht, endet offiziell die britische Herrschaft über Palästina. Dieser Tag ist ein Samstag, Schabbat.

David Ben-Gurion, der erste israelische Ministerpräsident, verliest deshalb schon am Vorabend, am Freitag, den 14. Mai 1948, unter einem Bild Theodor Herzls die Unabhängigkeitserklärung:

"...Wir reichen allen unseren Nachbarstaaten und ihren Völkern die Hand zum Frieden und zu guter Nachbarschaft und rufen zur Zusammenarbeit und gegenseitigen Hilfe mit dem unabhängigen hebräischen Volk in seiner Heimat auf. Der Staat Israel ist bereit, seinen Beitrag bei gemeinsamen Bemühungen um den Fortschritt des gesamten Nahen Ostens zu leisten... 
Der Staat Israel ist gegründet. Die Versammlung ist beendet." 

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Heute ist das Haus am Rothschild-Boulevard 16, in dem der Jahrtausende alte Traum von einem eigenen Staat für die Juden Wirklichkeit wurde, ein Nationalmuseum. 






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Noch immer hängt darin das Bild von Theodor Herzl.














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Nahost-Konflikt

Was ist aus den Visionen und Hoffnungen der Zionisten und Staatsgründer geworden?

Was aus dem Vorhaben, friedlich neben- und miteinander zu leben? 







Bild: Ölberg/Jerusalem, April 2018. 








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"Blühende Landschaften": Anfang des 20. Jahrhunderts gab es im Landesinneren fast überall nur Sand und Wüste. 

Heute wachsen - bewässert von Hightech-Anlagen, die das Wasser des Jordan im ganzen Land verteilen - Dattelpalmen, Weizenfelder oder Mandelbäume.









Bild: Landschaft am See Genezareth, April 2018.


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Nach den ersten Auseinandersetzungen mit den Arabern erklärt Israel 1950 - gegen den Protest der UNO - Jerusalem zur Hauptstadt.

Der Streit um Jerusalem ist noch immer ein zentrales Thema im Nahost-Konflikt. Denn sowohl die Palästinenser als auch die Israelis beanspruchen Stadtteile als Hauptstadt für sich. 








Bild: Arabische Altstadt von Jerusalem im Morgengrauen, November 2017.
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In vielen Vierteln Jerusalems führt eine religiöse Gemeinschaft ein in sich geschlossenes Eigenleben. 

Jeder hat seinen Platz, die Viertel und Straßen sind streng getrennt - und die meisten halten sich daran. 










Schulhof im jüdischen Viertel der Jerusalemer Altstadt, November 2017.


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Seit dem Sechs-Tage-Krieg (1967) entstehen in den besetzten Gebieten, wie hier im Westjordanland, immer wieder neue jüdische Siedlungen.

Religiöse Aktivisten glauben an ein "göttliches Gebot", das "biblische Land" wieder zu besiedeln.



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Im Ostteil Jerusalems und im Westjordanland leben heute etwa 520.000 jüdische Siedler in rund 250 Ortschaften.

Diese Siedlungen sind auch in Israel nicht unumstritten. Viele, vor allem linksintellektuelle Israelis, lehnen sie ab. Sie wissen, dass kaum etwas dem weltweiten Ansehen des Staates Israel mehr schadet als die Besatzungs- und Siedlungspolitik. Dennoch werden illegale  Siedlungen in den palästinensischen Autonomieregionen von der derzeitigen Regierung geduldet.
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Bethlehem: Eine acht Meter hohe Mauer mit massiven Wachtürmen dominiert das Stadtbild. 

Die Sperranlage entlang der Westbank soll Israel seit 2002 vor palästinensischen Terroristen schützen. Irgendwann einmal, so der Plan, soll die Mauer 709 Kilometer lang sein.

Seit dem Bau der Grenze ging die Anzahl der Terroranschläge tatsächlich zurück. Starben im Jahr 2002 in Israel noch 457 Menschen durch einen von extremistischen Palästinensern verübten Anschlag, waren es zehn Jahre später, im Jahr 2012, "nur" noch 15 Menschen.




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Bethlehem, November 2017.


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Doch in Israel gibt es viele andere Orte, an denen das Zusammenleben zwischen Juden und Arabern gut funktioniert. 

Jaffa ist das beste Beispiel, der alte arabische Stadtteil von Tel Aviv.
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Hier lässt sich der Nahost-Konflikt gut verdrängen. 

In Jaffa spricht man nicht von "Araber" oder "Jude", sie sind alle einfach aus Tel Aviv - und stolz auf ihre weltoffene, liberale Stadt. 


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"Jaffa" heißt nicht umsonst 'schön'. 

Seit einigen Jahren zieht der Stadtteil auch immer mehr Künstler aus aller Welt an, in den jahrtausendealten Gassen gibt es mittlerweile zahlreiche Werkstätten und Ateliers. 







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Man konzentriert sich einfach auf das, was man gemeinsam hat, zum Beispiel die Liebe zum Hummus. 

Und alle sind sich einig: bei Abu Hassan gibt's den besten. 





 











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Und von Jaffa aus hat man den schönsten Ausblick auf das neue Tel Aviv, die Vorzeige-Stadt im Nahen Osten.








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Ausblick

Israel ist heute ein freier und demokratischer Sozialstaat - und eine lebenswerte Heimat für sechs Millionen Juden und knapp zwei Millionen Araber. 


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Eine baldige Realisierung der Zwei-Staaten-Lösung ist derzeit vielleicht so unwahrscheinlich wie nie zuvor.

Und sie wird auch nicht gelingen, solange beide Seiten immer nur in die Vergangenheit, anstatt nach vorne blicken.







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Gerade wir Deutschen dürfen bei der Beurteilung der Ereignisse im Nahen Osten aber niemals vergessen: Die jüdischen Einwanderer und Staatsgründer sind nicht freiwillig gegangen - wir haben sie aus Europa verdrängt. 

Deshalb wird das deutsche Verhältnis zu Israel auch immer ein besonderes bleiben.
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Dieses multimediale Webspecial entstand im Rahmen des 3sat-Themenschwerpunktes "70 Jahre Israel".

Konzept und Umsetzung: Sandra Demmelhuber (ARD/BR)

Alle zeitgenössischen Fotografien und Videos: Sandra Demmelhuber 

Historische Bilder und Videos: dpa/picture-alliance, World History Archiv, BR-Archiv 

Musik:
She'eriot Shel Ha'Chaim - Idan Raichel
Chalomot Shel Acherim - Idan Raichel
HaTikva - National Anthem of Israel
Tradition - Christophe Delabre
Terror Warning - Tony Delmonte, Anselm Kreuzer
Terre oubliée - Pascal Bournet  

















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