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Los geht's

Unser Wald

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Der Wald ist für viele Menschen ein Sehnsuchtsort.
Er steht für Stille, Wohlbefinden, unberührte Natur - und birgt viele Geheimnisse. 





Ein multimediales Webspecial von Sandra Demmelhuber 




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Alles Gedeihen und Schöne in der Welt
beruht auf Geduld,
braucht Zeit,
braucht Stille. 

Hermann Hesse 


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Anfang des 19. Jahrhunderts, in der Epoche der Romantik, machten Dichter und Maler den Wald zum Symbol einer ideologisierten, träumerischen Welt.

Dieses Bild ist bis heute tief in unserer Gesellschaft verankert. 


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Mit dem Ausbau der Städte und der beginnenden Industrialisierung wurde der Wald als natürlicher Erholungsraum zum romantischen Sehnsuchtsort.

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Schloss Neuschwanstein steht nicht zufällig mitten im Wald.

König Ludwig II. ließ es 1869 nach dem Vorbild einer mittelalterlichen Burg errichten.

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Wer mit offenen Augen durch den Wald geht, entdeckt unzählige Wunder der Natur.

Aber diese Wunder brauchen Zeit, denn Bäume sind
unendlich langsam: Ihre Kindheit dauert zehn Mal so lange wie unsere, ihre gesamte Lebensspanne fünf Mal so lange - mindestens. 


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Wer weiß, dass Bäume Schmerz empfinden und ein Gedächtnis haben, wer weiß, dass Bäume Freundschaften eingehen und Baumeltern mit ihren Kindern zusammenleben, der kann sie nicht mehr einfach so fällen oder mit schweren Maschinen zwischen ihnen herumwüten.




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Bäume können sich über ihre Wurzeln zusammenschließen. 

Wird einer der beiden krank, versorgt ihn der andere mit Nährstoffen, bis es ihm wieder besser geht. 

Manche Baumpaare sind so innig über die Wurzeln verbunden, dass sie sogar gemeinsam sterben. 




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Bäume sind soziale Wesen, sie teilen ihre Nahrung mit Artgenossen - und kümmern sich sogar um die Konkurrenz. 

Gemeinsam geht vieles besser, schließlich ist ein Baum noch lange kein Wald. Ein Baum alleine wäre Wind und Wetter sowie Hitze- und Kälteextremen schutzlos ausgeliefert.



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Manche Baumarten synchronisieren sich derart, dass trotz unterschiedlicher Standorte, Böden und Lichtbedingungen alle Artgenossen pro Blatt ähnlich große Mengen an Zucker produzieren.

Das funktioniert wie unser Sozialsystem, das ebenfalls verhindert, dass einzelne Mitglieder verloren gehen.  

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Bäume besitzen wie Menschen und Tiere eine geheime Duftsprache.

Wird ein Baum angegriffen, sendet er zusätzlich elektrische Signale aus.

Diese Signale haben aber nicht wie bei uns Geschwindigkeiten von wenigen Millisekunden: Bei Bäumen dauert es etwa eine Minute pro Zentimeter.  Und dann noch einmal ungefähr eine Stunde, bis die Abwehrstoffe in die Blätter eingelagert werden. 



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Um eine schnelle Kommunikation unter den Bäumen zu garantieren, werden zudem Pilze dazwischengeschaltet, die Signale von einem Baum zum nächsten weitergeben.

Pilze im Wald funktionieren wie die Glasfaserleitungen unseres Internets: Die dünnen Fäden durchdringen den Boden und durchweben ihn in kaum vorstellbarer Dichte.
Ein einziger Pilz kann sich im Laufe von Jahrhunderten über mehrere Quadratkilometer ausbreiten, er gehört deshalb zu den größten Lebewesen der Erde.

Mittlerweile spricht sogar die Wissenschaft von einem "Wood-Wide-Web".
Was und wie viel ausgetauscht wird, ist allerdings bis heute kaum erforscht. 

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Bäume kommunizieren nicht nur bei Krankheit oder Bedrohung: Sie tauschen auch gute Nachrichten aus.

Ein Beispiel kennen wir alle: Die Duftbotschaften aus den Blüten. Bäume tauschen aber auch visuell Nachrichten aus. Die Farben, die sich deutlich vom Grün der Blätter abheben, funktionieren wie unsere Werbetafeln.

Das machen sie allerdings nicht, um uns zu gefallen, - sondern um Bienen auf sich aufmerksam zu machen. Nach der Bestäubung gibt es für die fleißigen Tierchen sogar eine Belohnung: süßer Nektar, ein konzentrierter Zuckersaft. 









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Ein Baum verdunstet bis zu 500 Liter Wasser am Tag.

Im Frühjahr schießt das Wasser mit einer solchen Wucht von den Wurzeln in den Stamm, dass es mit einem Stethoskop zu hören ist.

 

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In einer Handvoll Walderde
stecken mehr Lebewesen,
als es Menschen auf der Erde gibt. 


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Ob dieses Pflänzchen jemals ein Baum wird?
Eher unwahrscheinlich.

Während in den oberen Etagen Buchen, Tannen und Fichten 97 Prozent des Sonnenlichts einfangen, gelangt zu den jungen Bäumchen unten nur ganz wenig Licht. Sie werden wieder zu Humus, ehe ihr Stiel hölzern wird. 

Buchen bilden bei einem Höchstalter von 400 Jahren rund 1,8 Millionen Bucheckern. Von diesen wird - statistisch betrachtet - genau eine einzige zu einem ausgewachsenen Baum. 

Baumkinder mit höheren Überlebenschancen (diese sind dann bis zu 80 Jahre alt) nehmen über die Wurzel Kontakt zur Mutter auf, die ihnen Zucker und andere Nährstoffe abgibt. 

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Waldsauerklee hingegen wächst auch ohne viel Licht, sie ist die schattenverträglichste heimische Pflanzenart.

Der Waldklee kann sogar noch bei einem Minimum von 1/160 des Sonnenlichts überleben.

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Es gibt Insektenarten, die im Frühsommer ihre Eier direkt auf die Blätter legen. 

Die schlüpfenden Larven beginnen zu fressen und durch die chemischen Verbindungen in ihrem Speichel wächst aus dem Blatt eine rote Schutzhülle.

Ob zipfelig (Buche) oder rund (Eiche, hier): Im Inneren ist der Insektennachwuchs vor Fressfeinden geschützt.

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Das sind die Zwillinge des Waldes: Zwiesel, also Bäume mit zwei Haupttrieben.

Bei den Zwieseln gabelt sich der Stamm bei einer bestimmten Höhe - und wächst fortan im Doppelpack weiter.







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Es war einmal ein Baum.

Dieser innen komplett ausgehöhlte Baumstamm dient nun Tieren als Unterschlupf. 

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Und so sieht eine harte Kindheit aus: Dieser Baum wollte gerade wachsen, der Maschendraht-Zaun kam ihm aber dazwischen. 

"Ein krummes Leben mit genügend Licht zur Fortpflanzung ist immer noch besser als keines", ist das Motto der meisten Laubbäume.

Nadelbäume hingegen bleiben stur: Sie wachsen entweder kerzengerade - oder gar nicht. 



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Bäume können sogar auf Steinen wachsen.

Können? Müssen!

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Denn wenn der Samen vom Baum fällt, kann sein Standort nur noch durch Wind oder Tiere verändert werden.

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In den oberen Schichten des fruchtbaren Waldbodens leben neben unzähligen Kleinsttierchen Billiarden von Bakterien.

Ohne diese für uns unsichtbaren Lebewesen könnte der Nährstoffkreislauf nicht funktionieren.

 Es wäre kein Pflanzenwachstum möglich.

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Auch größere Lebewesen bleiben im Wald oft unsichtbar - weil sie, wie dieser braune Waldfrosch, perfekt getarnt sind. 


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Und die großen Wildtiere, allen voran die scheuen Rehe, legen keinen Wert auf eine Begegnung mit Menschen.

Sie sind im Wald eher selten anzutreffen. 



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Doch zurück zum Baum: Ein Einzelner produziert pro Stunde bis zu 1.200 Liter Sauerstoff.
Bäume sind lebenswichtig, das wissen wir alle.

Warum fällt es uns dann schwer, sie zu verstehen?






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Ein Grund dafür ist die Evolution, die uns schon früh vom Grünzeug getrennt hat.

Die Sinne der Planzen sind ganz anders ausgelegt als bei Menschen und Tieren.
Wir brauchen deshalb die Wissenschaft, um wenigstens eine leise Ahnung davon zu bekommen, was in den Bäumen vorgeht.

Das ist wichtig, denn nur wer die Bäume kennt, ist auch bereit, sie zu schützen.


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Quellenangabe:
Peter Wohlleben: Das geheime Leben der Bäume. Was sie fühlen, wie sie kommunizieren.

Fotos und Videos:
© Sandra Demmelhuber (ARD/BR)




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Übersicht

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Kapitel 1 Die Deutschen und ihr Wald

Das geheime Leben der Bäume

Wald

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Wald

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Kapitel 2 Das Geheimnis der Bäume

Dem waldst%c3%bcck see

Waldarbeiten

Umarmung

Umarmender baum
Kapitel 3 Ein Spaziergang durch den Wald

Waldboden

Junger baum

Klee

Insektennester
Kapitel 4 Quellenangabe und Buchtipp

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Buchtipp
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